Skip to content

Gendergerechte Übersetzungen ins Ungarische für Stellenausschreibungen und Geschäftskorrespondenz

Stellen Sie sich vor: Ein deutscher Text mit sorgfältig gesetztem Genderstern – Mitarbeiter*innen, Kund*innen, Bürger*innen – reist nach Ungarn. Dort trifft er auf eine Sprache, die seit Jahrhunderten ganz gut ohne grammatisches Geschlecht auskommt. Das Ergebnis? Ein kleiner Kulturschock – für beide Seiten.

In der deutschen Geschäftswelt ist Gendern mittlerweile fast so selbstverständlich wie die E-Mail-Signatur. Man möchte niemanden ausschließen, und der Stern, Doppelpunkt oder das Binnen-I sind zu treuen Begleitern geworden. Doch wenn dieser Text ins Ungarische übersetzt wird, passiert etwas Kurioses: Die sorgfältig ausbalancierte Genderstruktur fällt in sich zusammen wie ein Soufflé, das zu früh aus dem Ofen geholt wurde.

Nicht etwa, weil Ungarn weniger Wert auf Gleichberechtigung legen würde – ganz im Gegenteil. Es liegt schlicht daran, dass die Sprache gar nicht erst unterscheidet, ob jemand männlich oder weiblich ist. Die Vorstellung, jede Berufs- oder Personenbezeichnung künstlich „gendern“ zu müssen, wirkt hier etwa so befremdlich wie der Versuch, Gulasch mit veganem Speck zuzubereiten: technisch machbar, aber niemand fühlt sich so richtig wohl damit.

Und so beginnt unsere kleine sprachliche Reise zwischen Gendersternchen, Paprikasch und der Frage, wie man deutsche Inklusivität in eine Sprache überträgt, die schlicht alle über einen geschlechtsneutralen Kamm schert.

 

Ő – das Universalpronomen

Im Deutschen ist das Personalpronomen ein kleiner, aber entscheidender Hinweis auf das Geschlecht: er oder sie – und im Plural sie (was die Sache schon kompliziert genug macht). Im Ungarischen dagegen gibt es einfach „ő“. Fertig. Keine Maskulin-, Feminin- oder Divers-Form. Ein ő kann ein Mann sein, eine Frau, ein nichtbinärer Mensch – oder sogar der geheimnisvolle neue Kollege, von dem noch niemand weiß, wer er eigentlich ist.

Für Deutsche, die das erste Mal ungarische Texte lesen, wirkt das manchmal wie eine permanente Spoiler-Vermeidung: „Ő jön.“ – „Er kommt.“ Oder „Sie kommt.“ Oder „… jemand kommt halt.“ Der Kontext entscheidet, und der ist in der gesprochenen Sprache oft völlig klar.

Aus Sicht der Genderdebatte ist „ő“ fast schon ein politischer Glücksgriff – eine Art natürlicher, jahrhundertealter Genderneutralität. Kein Stern, kein Doppelpunkt, kein Binnen-I. Einfach ein Wort, das alle einschließt. Nur: Wenn deutsche Texte ins Ungarische übertragen werden, fällt genau dadurch auch der gesamte feinsäuberlich markierte Genderaufbau weg. Die deutsche Aussage „Unsere neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ verwandelt sich schlicht in „Új munkatársaink“. Und niemand in Ungarn denkt: „Moment mal, fehlen da nicht die Frauen?“

Kurz gesagt: Das ungarische „ő“ ist der Chamäleon-Meister unter den Pronomen – immer passend, immer neutral, und völlig unbeeindruckt von Genderdiskussionen.

 

Alles geschlechtsneutral – auch die Katze

Im Deutschen können nicht nur Menschen ein grammatisches Geschlecht haben, sondern auch Tiere, Pflanzen und sogar Dinge. Der Tisch ist männlich, die Lampe weiblich, das Messer sächlich. Im Ungarischen dagegen herrscht völlige Gleichberechtigung – oder, besser gesagt, Gleichgültigkeit.

Die Katze? Einfach macska. Kein „sie“ oder „er“, solange Sie nicht ausdrücklich dazusagen, dass es ein Kater (kandúr) oder eine Kätzin (nőstény macska) ist. Der Baum, das Auto, der Laptop – alles in einem geschlechtsneutralen Niemandsland. Selbst der liebevoll gepflegte Firmen-Kaffeevollautomat bekommt im Ungarischen kein „er“ oder „sie“ verpasst.

Für Deutsche, die sich an sprachliche Geschlechtervergabe gewöhnt haben, wirkt das zunächst so, als würde dem Ungarischen eine ganze Farbebene fehlen. In Wirklichkeit ist es eher so, als hätte man ein paar komplizierte Zusatzregeln einfach weggelassen. Die Sprache spart sich das mühsame Jonglieren mit Artikeln, Endungen und Genus-Ausnahmen – und lebt damit erstaunlich gut.

Das bedeutet allerdings auch: Wenn ein deutscher Text extra betont, dass etwas „für jede und jeden“ gedacht ist, löst sich dieser Gedanke in der ungarischen Übersetzung auf wie Zucker im heißen Tee. Die Sprache kennt schlicht kein „jede*r“, sondern nur „mindenki“ – alle. Ob Katze, Kunde oder Kollege: Im Ungarischen sitzen sie alle gemeinsam im gleichen, geschlechtsneutralen Boot.

 

Wenn Innen im Paprikafass landet

Im Deutschen ist das Gendersternchen oder die Innen-Endung mittlerweile fester Bestandteil vieler Texte – egal ob in der Firmenmail oder in der Stellenausschreibung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Mitarbeiterinnen*, an alle Bürger:innen … alles fein ausbalanciert.

Versucht man nun, dieses Prinzip eins zu eins ins Ungarische zu übertragen, passiert oft etwas, das wahlweise befremdlich oder unfreiwillig komisch klingt. Natürlich gibt es im Ungarischen die Möglichkeit, zwischen männlichen und weiblichen Berufsbezeichnungen zu unterscheiden – etwa durch das Anhängen von -nő (was schlicht „Frau“ bedeutet) an die männliche Form. So wird aus dem orvos (Arzt) eine orvosnő oder eher doktornő (Ärztin).

Aber stellen Sie sich eine E-Mail mit dem Gruß „Kedves Kollégák és Kolléganők“ vor. Grammatisch korrekt – und trotzdem zieht sich bei vielen Ungarn innerlich etwas zusammen. Der Ausdruck wirkt steif, künstlich und erinnert eher an einen formellen Festakt aus den 1970ern als an moderne Kommunikation.

Noch problematischer wird es, wenn man versucht, wirklich jede deutsche Genderform nachzubilden. Fordító és fordítónő (Übersetzer und Übersetzerin) klingt für ungarische Ohren wie eine Comedy-Einlage. Hegesztő és hegesztőnő (Schweißer und Schweißerin) oder gar villamosvezető és villamosvezetőnő (Straßenbahnfahrer und Straßenbahnfahrerin) wirken nicht nur sperrig, sondern auch, als hätte man sprachlich den Rückwärtsgang eingelegt.

Das liegt daran, dass diese weiblichen Formen zwar existieren, aber im Alltag selten gebraucht werden – schon gar nicht als Doppelnennung. Wer im Ungarischen alle ansprechen will, sagt einfach kedves kollégák – und ő erledigt den Rest. Das Innen landet in diesem Fall also tatsächlich im metaphorischen Paprikafass – und löst sich komplett auf.

 

Die gefährliche Endung -nő

Auf den ersten Blick scheint die Sache einfach: Im Ungarischen hängt man einfach ein -nő an den Beruf, und schon ist die weibliche Form fertig. Tanár (Lehrer) wird zu tanárnő (Lehrerin), orvos (Arzt) zu orvosnő/doktonrő (Ärztin). Problem gelöst – oder?

Nicht ganz. Denn diese Endung ist zwar grammatisch korrekt, kann aber in manchen Kontexten unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben. Zum einen schwingt bei einigen Begriffen eine gewisse „Volksschule-Atmosphäre“ mit – viele erinnern sich an ihre tanárnő aus der Grundschule, und das wirkt im Geschäftsleben schnell unprofessionell oder kindlich. Zum anderen gibt es Berufsbezeichnungen, bei denen das Anhängen von -nő so holprig klingt, dass selbst hartgesottene Sprachpuristen zusammenzucken.

Beispiele gefällig?
Fordítónő (Übersetzerin) klingt, als wäre die Person Mitglied eines literarischen Salons aus der Kaiserzeit. Hegesztőnő (Schweißerin) oder villamosvezetőnő (Straßenbahnfahrerin) hingegen wirken fast schon parodistisch – man hat sofort das Bild einer 60er-Jahre-Wochenschau im Kopf.

Der Grund: Im modernen Ungarisch wird das Geschlecht bei Berufsbezeichnungen in den meisten Fällen schlicht nicht angegeben. Sagt jemand ő egy hegesztő („er/sie ist Schweißer“), weiß man aus dem Kontext oder gar nicht, ob die Person männlich oder weiblich ist – und das stört niemanden. Das gezielte Hervorheben durch -nő kann dagegen schnell altmodisch oder unnatürlich klingen.

Kurzum: Die Endung -nő ist wie scharfes Paprikapulver – sparsam eingesetzt, kann sie genau den richtigen Akzent setzen. Übertreibt man es, brennt es einem sprachlich schnell die Suppe an.

 

Auswirkungen auf Ungarisch-Übersetzungen

Hier beginnt für Übersetzer die eigentliche Herausforderung: Wie überträgt man einen deutschen Text, der sorgfältig gegendert ist, ins Ungarische – eine Sprache, die schlicht keine entsprechenden Formen braucht?

Nehmen wir ein Beispiel aus der Geschäftskorrespondenz:
Ein deutscher Firmeninhaber schreibt an sein Team:
„Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, …“
Im Ungarischen wird daraus ganz einfach:
„Kedves munkatársak, …“
Kein Genderstern, kein Binnen-I, keine doppelte Anrede. Die Form ist automatisch inklusiv – und niemand würde das Fehlen einer weiblichen Nennung als Lücke empfinden.

Bei Stellenausschreibungen ist es ähnlich. Die deutsche Form „Wir suchen eine Projektmanagerin / einen Projektmanager (m/w/d)“ wird im Ungarischen meist zu „Projektmenedzsert keresünk“. Punkt. Wenn wirklich betont werden soll, dass alle Geschlechter willkommen sind, greift man auf Zusätze wie „bármilyen nemű jelentkező“ (Bewerber jeglichen Geschlechts) zurück – aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Diese sprachliche „Neutralisierung“ kann allerdings für deutsche Auftraggeber zunächst irritierend wirken. Aus ihrer Sicht fällt ein wichtiger Teil der beabsichtigten Inklusivität einfach weg. Aus ungarischer Sicht jedoch ist der Text völlig in Ordnung – und mindestens genauso inklusiv wie im Original.

Übersetzer müssen hier oft erklären, dass das Weglassen der deutschen Genderformen keine Nachlässigkeit ist, sondern schlicht eine Anpassung an die Struktur und Logik der ungarischen Sprache. Andernfalls würde man schnell Texte produzieren, die zwar korrekt übersetzt, aber im Ungarischen so künstlich wirken wie eine Gulaschsuppe aus der Dose.

 

Kulturelle Stolperfallen im Geschäftsalltag

Wer als deutsches Unternehmen in Ungarn geschäftlich kommuniziert, stößt schnell auf eine merkwürdige Diskrepanz: Während in Deutschland das bewusste Gendern oft als Zeichen von Modernität, Sensibilität und Gleichberechtigung wahrgenommen wird, kann ein zu wörtlich übersetztes Genderkonstrukt im Ungarischen genau das Gegenteil bewirken – es wirkt unbeholfen, gestelzt oder gar unfreiwillig komisch.

Beispiel: Eine deutsche Willkommensmail an neue Teammitglieder mit der Formulierung „Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir freuen uns, euch alle im Team zu haben“ klingt im Original völlig normal. Ins Ungarische wörtlich übertragen (Kedves kollégák és kolléganők…) schleicht sich jedoch ein altertümlicher Beigeschmack ein, der eher an Parteiversammlungen vergangener Jahrzehnte erinnert als an modernes Teamwork.

Ähnlich heikel sind Formulierungen in Broschüren oder auf Unternehmenswebseiten. Wenn hier der Genderstern eins zu eins übernommen wird, ist das ungarische Publikum eher verwirrt als beeindruckt. Man fragt sich, ob das ein neuer Marketing-Trend ist oder einfach ein Tippfehler.

Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Wer wirklich inklusiv und respektvoll klingen will, sollte nicht am deutschen Sprachmuster kleben, sondern den inklusiven Ansatz an die Gegebenheiten der ungarischen Sprache anpassen. Das bedeutet oft, schlicht die neutrale Form zu wählen – und darauf zu vertrauen, dass Ungarisch diesen Job ganz von allein erledigt.

Kurz gesagt: Wer mit Ungarn kommuniziert, sollte sich vom Gedanken lösen, dass sprachliche Inklusivität immer sichtbar markiert werden muss. Hier wirkt sie am besten, wenn man sie gar nicht bemerkt – so wie eine gut eingekochte Paprikasoße, die man schmeckt, ohne dass man ihr jedes einzelne Gewürz anmerkt.

 

Gendern ohne Gendern

Am Ende dieser kleinen Reise zeigt sich: Ungarisch ist in Sachen Gendern eine völlig andere Welt. Die Sprache selbst ist von Natur aus neutral – keine Artikel, keine Endungen, die zwischen „er“ und „sie“ unterscheiden, und ein Universalpronomen ő, das alle einschließt.

Was in Deutschland durch Genderstern, Binnen-I oder Doppelpunkt sichtbar gemacht wird, ist im Ungarischen einfach im Sprachsystem eingebaut. Die Notwendigkeit, zwischen männlich und weiblich zu unterscheiden, besteht grammatisch schlicht nicht – und wenn man es trotzdem versucht, klingt es oft hölzern, altmodisch oder unfreiwillig komisch.

Für Übersetzer bedeutet das: Gendern wird in ungarischen Texten nicht „weggelassen“, sondern ist bereits selbstverständlich vorhanden – nur eben unsichtbar. Für deutsche Unternehmen wiederum heißt es, dass man bei ungarischen Zielgruppen mit einem einfachen munkatársak oder jelentkezők genauso inklusiv ist wie mit Mitarbeiter*innen oder Bewerber:innen im Deutschen.

Vielleicht liegt hier sogar ein kleiner Vorteil: Ungarisch zeigt, dass sprachliche Gleichbehandlung nicht immer in Form von zusätzlichen Zeichen oder Endungen daherkommen muss. Manchmal genügt es, wenn die Sprache selbst allen denselben Platz am Tisch gibt – ohne dass jemand mit dem Genderstern wedeln muss.

Oder, um es kulinarisch zu sagen: In der ungarischen Geschäftskommunikation ist Inklusivität wie ein guter Pörkölt – sie steckt von Anfang an in der Mischung, auch wenn man sie nicht einzeln auf dem Teller sieht.

 

Übersetzen ohne Stolperfallen – inklusiv auf UngarischIhr Unternehmen legt Wert auf inklusive Sprache – auch in der Kommunikation mit ungarischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Unser Übersetzungsbüro sorgt dafür, dass Stellenausschreibungen, Firmenkorrespondenz und interne Mitteilungen nicht nur korrekt, sondern auch sprachlich und kulturell passend ins Ungarische übertragen werden.Dank unserer Erfahrung wissen wir, wie sich deutsche Genderformen in der ungarischen Sprache so wiedergeben lassen, dass die Botschaft inklusiv bleibt – ohne unnatürlich oder gestelzt zu wirken. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Ihre Texte gendergerecht und dennoch muttersprachlich flüssig ins Ungarische übersetzen lassen möchten.

An den Anfang scrollen